Der Werkstoff, der aus der Baumrinde kommt

Nachhaltig erzeugte Materialien stehen immer mehr im Fokus der heutigen Gesellschaft und haben schon längst keinen Exotenstatus mehr. Das sieht man anhand der nahezu unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten des ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig erzeugten Biowerkstoffes BARKTEX, einem Textil, das aus Baumrinde hergestellt wird. Von Möbeln, Wandbelägen über Bekleidung, Schuhe und Sportgeräte bis hin zu
Handyschalen und Automobilkonsolen- diese Textilien und Komposite finden in den unterschiedlichsten, modernen Produkten Verwendung.

Das Baumrindenvlies aus Uganda wird aus der Rinde des ostafrikanischen Feigenbaumes Mutuba gewonnen und ist vermutlich das älteste Textil der Menschheitsgeschichte. Bis ins 19. Jahrhundert waren die edelsten dieser Tücher nur den Monarchen des noch heute existierenden, fast tausendjährigen Königreichs Buganda vorbehalten. Für die Herstellung eines solchen Tuches wird die permanent nachwachsende Rinde des Feigenbaumes einmal jährlich geerntet, ohne den Baum dabei zu fällen. Anschließend wird die Baumrinde in einem traditionellen, aufwändigen Herstellungsprozess von Hand zu einem flachen Tuch ausgetrieben. Aus der Rinde eines Baumes entsteht genau ein Tuch. Kein Tuch gleicht dem anderen, jedes ist ein Unikat, das seine eigene Geschichte erzählt: von Erde und Sonne, von Regen und Wind.

1999 hat das ugandisch-deutsche Familienunternehmen BARK CLOTH gemeinsam mit ugandischen Biobauern seine Tätigkeit als Pionier der Rindentuchentwicklung und -produktion aufgenommen. In Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit wurde von 2001 bis 2005 ein Entwicklungshilfeprojekt ins Leben gerufen, das bis heute nicht nur hunderten ugandischen Handwerkerinnen und Bauernfamilien ein stetiges Einkommen
sichert, sondern auch nach dem Vorbild des tropischen Regenwaldes eine dauerhaft ertragreiche und energiearme Waldgartenwirtschaft fördert.

Das traditionelle und aufwändige Herstellungsverfahren des Rindentuches wurde 2005 von der UNESCO zum „Meisterwerk  des mündlichen und Immateriellen Kulturerbes“ deklariert und 2008 in die Liste der Kulturgüter des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die Barongo-Heintz-Familie, Gründerfamilie des Unternehmens, hat es sich einerseits zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit dem International Bark Fibre Research and Training Institute in Uganda das Wissen um die Herstellung von Baumnebenprodukten wie Rinde, Fruchtstandhüllen, Latex oder Nussschalen in Afrika, Lateinamerika und dem Südpazifik direkt vor Ort zu bündeln und neue Einsatzmöglichkeiten zu erschließen. Andererseits arbeitet die Familie kontinuierlich daran, dem Rindentuch durch die Metamorphose zu BARKTEX mehr Funktionalität zu verleihen, um den modernen Ansprüchen der heutigen Gesellschaft gerecht zu werden. Dabei sieht sich die Unternehmerfamilie der Nachhaltigkeit verpflichtet und zeigt umwelt- und sozialverträgliches Handeln auf ganz pragmatische Weise.

Das Team von BARK CLOTH realisiert beispielsweise ein innovatives Modell für Kleinstunternehmen, das insbesondere Frauen stärkt und die Nahrungsmittelversorgung von Familien in strukturschwachen, benachteiligten Regionen sicherstellt. So wird der Mutuba-Feigenbaum ausschließlich auf kleinbäuerlichen Farmen in Mischkultur angebaut. Dabei steht er nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, sondern fördert als Tiefwurzler noch den Ertrag der anderen angebauten Feldfrüchte. Durch die Bewahrung der traditionellen Produktionsprozesse und ihre Überführung in moderne, skalierbare Strukturen zur Herstellung kommerzieller Produkte gelingt es nicht nur, die global übliche Wertschöpfung auch gegen den Strom – von Afrika nach Europa – stattfinden zu lassen. Auch die mit uralten Techniken und Materialien befassten Menschen in Afrika erfahren so eine neue Lebensgrundlage.

Das aus der Feigenrinde gewonnene Vlies dient als Basis für eine große Vielfalt von Bio-Textilien und Bio-Verbundwerkstoffen, die durch energie- und wasserarme, teilweise CO2-emissionsfreie Verfahren gewonnen und unter dem Markennamen BARKTEX vertrieben werden. Unter konsequenter Berücksichtigung des cradle-to-cradle-Konzeptes schafft das Unternehmen die reiche Ornamentik und Kunstfertigkeit Afrikas mit innovativen Veredelungsverfahren und europäischer Praktikabilität zu verbinden und dabei jedes Produkt seine eigene Geschichte erzählen zu lassen.

Das Tuch der Könige wird auch in Zukunft weitere Geschichten schreiben, denn dank zahlreicher Forschungskooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, Hochschulen und Industrieunternehmen sowie der Zusammenarbeit mit weltweiten Unternehmen, afrikanischen und europäischen Designern, Textil- wie Holztechnikern, Rindentuchproduzenten und -verarbeitern ist das Potenzial völlig neuer Materialkreationen und seiner Einsatzgebiete noch lange nicht ausgeschöpft.

Beispiele von Einsatzgebieten:

Wandverkleidung – das Material wird aufgezogen auf MDF-Platten. Die Lieferung als maßgefertigte Platten in dreidimensionaler Verformbarkeit erlaubt das Aufziehen von BARKTEX um Kanten und Ecken herum. Es entsteht ein Holzwerkstoff mit außergewöhnlichem Effekt.

Akustikpaneele:
Es handelt sich um Akustikplatten mit Rindentuchoberfläche. Es ist eine umweltschonende, natürliche Akustiklösung mit einer für Naturfasern außergewöhnlich hohen Schallabsorption. Die Paneele sind einsetzbar als Wand- oder Deckenpaneel sowie als Raumteiler. Der Kern besteht aus recyceltem PET. Die Oberfläche gibt es in allen BARKTEX Varianten. Das Rindentuch kann rapportfrei produziert werden und ermöglicht fugenlose Spezialanfertigungen in großen Dimensionen. Die Platten sind erhältlich mit oder ohne LED-Hinterleuchtung.

Wand-, Tür- und Deckenverkleidungen
Es handelt sich um eine Hochdruck-Schichtpressstoffplatte. Die Platte ist ein Unikat mit eigenem, von der Natur geschaffenem Charakter.

 

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