Die Verfügbarkeit mineralischer Rohstoffe – ein unkalkulierbares Risiko für deutsche Unternehmen?

Abb. 1: Deutsche Rohstoffimporte nach Wert - 2002 bis 2011 (DERA 2012a nach Daten von DESTATIS)

Abb. 1: Deutsche Rohstoffimporte nach Wert – 2002 bis 2011 (DERA 2012a nach Daten von DESTATIS)

Deutschland und hier insbesondere das produzierende Gewerbe sind bei Metallund Energierohstoffen in hohem Maße von Importen und damit von funktionierenden und diskriminierungsfreien Rohstoffmärkten abhängig. In den vergangenen zehn Jahren nahm der Wert der deutschen Rohstoffimporte von etwa 50 Mrd. € (2002) auf ca. 138 Mrd. € (2011) deutlich zu. Damit stieg auch die finanzielle Belastung der deutschen Industrie (Abb. 1). Ursache für die Ausgabensteigerungen – lediglich unterbrochen durch die Auswirkungen der Finanzkrise 2009 – sind Preisanstiege für zahlreiche mineralische Rohstoffe und Energierohstoffe. Auslöser ist vor allem die hohe Nachfrage in aufstrebenden Industrienationen und Schwellenländern, allen voran China (Abb. 2). Bei Betrachtung der Preisentwicklung für Industriemetalle und Rohöl in den vergangenen 1½ Jahren wird deutlich, dass inzwischen eine leichte Entspannung auf den Rohstoffmärkten eingetreten ist. Die Preise liegen zurzeit wieder deutlich unter den Höchstständen 2007/2008 und 2011. Verglichen mit den Rohstoffpreisen vor dem Rohstoffboom (2003) befinden sie sich jedoch noch immer auf hohem Niveau (Abb. 2).

Abb. 2: Relative Preisentwicklung wichtiger Industriemetalle und Rohöl seit 2003 (Quelle: BGR-Datenbank nach Daten der London Metal Exchange / Brent-Öl nach Daten der U.S. Energy Information Administration)

Abb. 2: Relative Preisentwicklung wichtiger Industriemetalle und Rohöl seit 2003 (Quelle: BGR-Datenbank nach Daten der London Metal Exchange / Brent-Öl nach Daten der U.S. Energy Information Administration)

Die Wachstumsprognose der Weltbank (World Bank 2013) für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der aufstrebenden Industrienationen weist darauf hin, dass sich der Nachfrageanstieg aufgrund der etwas geringeren Wachstumsraten abschwächen wird. Gleichzeitig hat die Bergbauindustrie in den vergangenen Jahren weltweit vermehrt in die Exploration neuer Rohstoffvorkommen investiert, wodurch kurz- bis mittelfristig neue Lagerstätten in Produktion gehen werden. Bei einigen Rohstoffen wird diese Entwicklung vermutlich zu einer deutlichen Entspannung des Marktes führen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Anzahl der neuen Projekte von der Rohstoffpreisentwicklung abhängig ist. Sinkende Rohstoffpreise aufgrund eines verminderten wirtschaftlichen Wachstums führen meist zu einem Aufschub zahlreicher Projekte, da diese dann nicht mehr wirtschaftlich rentabel sind. Für einige Rohstoffe, wie etwa Schwere Seltene Erden, ist abzusehen, dass weiterhin hohe Preis- und Lieferrisiken bestehen werden. Bislang hatte China für Seltene Erden Elemente mit einem Anteil von mehr als 95 % der weltweiten Produktion eine Art Monopolstellung inne, die durch die Einführung von Exportquoten und – zölle auf diese Rohstoffe noch verstärkt wurde. Leichte Seltene Erden Elemente werden zunehmend auch außerhalb Chinas gefördert. Dies trifft auf Schwere Seltene Erden Elemente jedoch nicht zu. Daher wird sich bei den Schweren Seltenen Erden auch mittelfristig an der herausragenden Bedeutung Chinas für diesen Markt kaum etwas ändern. Dieses Beispiel zeigt, dass die Verfügbarkeit von Rohstoffen von verschiedenen Faktoren abhängig ist, die genau analysiert werden müssen. Neben der Länder- und Firmenkonzentration und den wirtschaftlichen, handelspolitischen und rechtlichen Risiken in den Produktionsländern, ist in die Kalkulation u. a. mit einzubeziehen, ob ein Rohstoff substituiert oder recycelt werden kann und wie sich die Bergbauund Verarbeitungskapazitäten in den nächsten Jahren entwickeln werden. Im Folgenden werden die Preis- und Lieferrisiken potenziell kritischer Rohstoffe und die Bewertung einiger Faktoren anhand zweier Rohstoffe – Wolfram und Antimon – erläutert.

Wolfram

Abb. 3: Anwendungsgebiete (%) für Wolfram 2010 (nach Roskill 2011, ITIA 2013)

Abb. 3: Anwendungsgebiete (%) für Wolfram 2010 (nach Roskill 2011, ITIA 2013)

Aufgrund des höchsten Schmelzpunktes aller Metalle (3.422°C), sehr hoher Festigkeiten, eines geringen thermischen Ausdehnungskoeffizienten, der hohen Abriebfestigkeit und einer hohen chemischen Stabilität wird Wolfram hauptsächlich in den Bereichen Hartmetalle (Karbide), Stähle, Superlegierungen, Halbzeug (Wolframmetall) und Chemikalien eingesetzt. Die Produktion von Hartmetallen (Wolframcarbid) z. B. für Hartmetallwerkzeuge wie Fräsen, Wendeschneidplatten, Bohrer, Meißel etc. sind das bei Weitem wichtigste Anwendungsgebiet für Wolfram weltweit. Das Metall wird auch für die Herstellung von Stahl- und Superlegierungen eingesetzt, z. B. für hochfeste Werkzeugstähle (HSS) oder als Superlegierung in der Luftfahrtbranche. Wolfram-Halbzeug findet z.B. in der Beleuchtungsindustrie in fast allen elektrischen Glühlampen für den dünnen Glühdraht Verwendung, aber auch in Energiesparlampen wird Wolfram als Elektrodenmaterial eingesetzt. Weitere Anwendungsfelder finden sich in der Elektronikindustrie u. a. für elektrische Kontakte sowie für Chemikalien, in Katalysatoren, Pigmenten und im Laborbereich. In den Industrienationen ist die Verwendung von Wolfram recht unterschiedlich verteilt. In Europa wird mit 72 % fast ¾ des Wolframs zur Karbidherstellung verwendet, wohingegen in China Wolfram verstärkt der Herstellung von Edelstählen und Halbzeug dient (Abb. 3). Die Deutsche Industrie ist ein bedeutender Verwender von Wolfram. So wurden im Jahr 2011 Wolframrohstoffe und -halberzeugnisse (Erz & Konzentrat, Rohmetall, Ferrowolfram, Wolframoxide & -hydroxide, Wolframate, Pulver, Wolframcarbid) im Wert von rd. 348 Mio. € nach Deutschland importiert. Hinzu kamen Schrottimporte im Wert von rd. 100 Mio. €. Im Jahr 2011 lag die weltweite Bergwerksförderung von Wolfram bei 90.000 t Wolframinhalt, China hat mit geschätzten 79.000 t Wolfram (W) fast 90 % der Primärproduktion gefördert und ist das bei weitem größte Bergbauland für diesen Rohstoff (Abb. 4). Weitere Länder die 2011 Wolfram förderten waren die Russische Föderation (2,8 %, 2.500 t W), Kanada (2,6 %, 2.370 t W), Bolivien

Abb. 4: Bergwerksförderung von Wolfram seit 1960 (Quelle: BGR-Datenbank)

Abb. 4: Bergwerksförderung von Wolfram seit 1960 (Quelle: BGR-Datenbank)

(1,6 %, 1.418 t W), Ruanda (1,2 %, 1.100 t W), Österreich (1,0 %, 859 t W) sowie Portugal, Peru, Spanien, Usbekistan, Myanmar, Thailand, Brasilien, Kirgisistan, die Mongolei, Uganda, Burundi, DR Kongo, DV Korea und Australien (alle < 1%). Wolframkonzentrat wird vermutlich zusätzlich in Vietnam, Mexiko, Nigeria und der Türkei produziert, verlässliche Zahlen für eine Abschätzung der Mengen stehen allerdings nicht zur Verfügung. China besitzt mit 80-90 % der globalen Bergwerksförderung seit Ende der 1990er Jahre eine dominierende Stellung im Wolframmarkt. Das Länderrisiko für China wird, basierend auf den „Worldwide Governance Indicators“ der Weltbank 2011 (World Bank 2012, DERA 2012b), als mäßig eingestuft. Die enorme Länderkonzentration der Produktion auf nur ein Land, verbunden mit einem mäßigen bis hohen Länderrisiko der Bergwerksförderung, führt insgesamt zu einem hohen geostrategischem Risiko für die weltweite Wolframversorgung. Im Jahr 2000 hat die chinesische Regierung mit der Kontrolle der heimischen Wolframindustrie begonnen. Die inländische Wolframförderung wird durch Produktionsquoten kontrolliert. 2011 lag die Produktionsquote für Wolframkonzentrat bei 87.000 t (65 % WO3). Die erhöhte inländische Nachfrage nach Wolfram in China führte zudem dazu, dass die chinesische Regierung Exportquoten und Zölle verhängte, um die Exporte zu beschränken. Für 2013 wurde eine Exportquote für Wolframerzeugnisse von 15.400 t W festgesetzt. Seit 2002 (18.200 t W) sind die Exportquoten um 15 % gesunken. Die Ausfuhrsteuer auf die verschiedenen Wolframerzeugnisse reichen von 5 bis 20 %. Weiterhin exportiert China seit über zehn Jahren kaum mehr Wolframkonzentrat und auch die Exporte bei Ferrowolfram wurden deutlich reduziert, da die Weiterverarbeitung im Inland und der Export von Endprodukten angestrebt werden. Zudem werden vermehrt Konzentrate und Schrotte durch chinesische Firmen aus dem Ausland importiert. Besonders durch den daraus resultierenden weltweiten Rückgang des Wolframschrottangebots sind Firmen, u. a. auch in Deutschland betroffen, und daher gezwungen, sich langfristig nach alternativen Bezugsquellen umzusehen. Die Firmenkonzentration im Bereich der Bergwerksförderung von Wolfram ist ebenso als bedenklich einzustufen. Insgesamt dominieren chinesische Bergbaufirmen die weltweite Wolframproduktion. Sie werden überwiegend staatlich kontrolliert und sind daher als quasi staatlich geführte Unternehmen zu betrachten.

Weltweit gibt es zurzeit zahlreiche Explorationsprojekte auf Wolfram, so dass ein Anstieg des Primärangebots auch außerhalb Chinas in den nächsten Jahren erwartet wird. Die Wachstumsraten der Wolframnachfrage werden allerdings ebenfalls als hoch eingeschätzt, sodass der Bezug von Wolframkonzentrat weiterhin als problematisch beurteilt werden muss. Wolfram, bzw. Wolframkonzentrat ist zudem kaum zu substituieren, da es aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften kaum oder gar nicht ersetzbar ist. Für das weltweite Wolframangebot spielt Recycling eine bedeutende Rolle. Wolframschrott ist aufgrund seines hohen Wolframgehalts im Vergleich zum Erz ein wertvoller Rohstoff. In mehreren Ländern ist der Anteil des Recyclings von Wolframschrott sehr hoch. Im globalen Durchschnitt liegt er wahrscheinlich im Bereich von 35 % (ITIA 2013) des gesamten Wolframangebots. Entsprechend hoch ist auch die Recyclingrate von Altschrott (End of Life-Recycling Rate = >10-25 % / UNEP 2011). Der Wolframmarkt ist in Bezug auf die geopolitischen Risiken (Länderkonzentration, Länderrisiko), die Firmenkonzentration und aufgrund der zu vermutenden zukünftigen Entwicklung des Marktes als potenziell kritisch einzuschätzen. Deutsche Unternehmen, die Wolfram verarbeiten oder auf Wolframprodukte angewiesen sind, sollten den Wolframmarkt gut beobachten und sich für eventuelle Engpässe über angepasste Ausweichstrategien absichern.

Antimon

Abb. 5: Bergwerksfördreung von Antimon seit 1960 (Quelle: BGR-Datenbank, Roskill 2012) sowie Realpreisentwicklung [Spezifikation: Antimon Regulus, 99,65 %, Freimarkt; max: Se 50 ppm, Bi 100 ppm, in Lagerhaus / Quelle: Metal Bulletin 2013]. Daten wurden mit CPI (12/2012=100) deflationiert.

Abb. 5: Bergwerksfördreung von Antimon seit 1960 (Quelle: BGR-Datenbank, Roskill 2012) sowie Realpreisentwicklung [Spezifikation: Antimon Regulus, 99,65 %, Freimarkt; max: Se 50 ppm, Bi 100 ppm, in Lagerhaus / Quelle: Metal Bulletin 2013]. Daten wurden mit CPI (12/2012=100) deflationiert.

Das Halbmetall Antimon findet aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften in sehr unterschiedlichen Industriezweigen Verwendung. Ein Teil der Anwendungen in der Produktion basiert auf Antimonmetall als Ausgangsprodukt, ein anderer Teil auf Antimontrioxid. Als Metall wird Antimon vorwiegend in Bleilegierungen (z. B. KFZ-Starterbatterien) und untergeordnet für Hartlote, Legierungen (Bleche, Rohre) sowie Kabelummantelungen verwendet. Besonders reines Antimon kommt zunehmend in der Halbleitertechnik zum Einsatz. Den größten Anwendungsbereich hat Antimon jedoch als Antimontrioxid als Bestandteil halogenierter Flammschutzhemmer in Kunststoffen (z. B.: PE, PP, ABS), Gummi und Textilien. Weiterhin wird es z. B. als Katalysator in der Herstellung von PET sowie als Hitzestabilisator für PVC verwendet. Als Natriumantimonat findet es Anwendungdung in der Glasindustrie. Etwa 52 % des weltweiten Bedarfs entfielen 2011 auf die Herstellung von Flammschutzmitteln und 26 % auf die Verwendung als Bestandteil von Bleilegierungen in Batterien (Roskill 2012). Seit Beginn der 1980er Jahre ist China zum weltgrößten Bergbauproduzenten von Antimon aufgestiegen (Abb. 5). 2011 wurden weltweit etwa 174.000 t Antimon produziert, der chinesische Anteil betrug ca. 73 %. Weitere wichtige Förderländer waren Tadschikistan (5,6 %) sowie die Russische Föderation (4,8 %). Die drei größten Produzenten stellten 2011 damit knapp 84 % der weltweiten Bergwerksförderung. Aus Abbildung 5 wird weiterhin ersichtlich, dass die Förderung außerhalb Chinas seit etwa 2007 zunimmt, z. B. in der Russischen Föderation, Tadschikistan und Kanada. China hat im gleichen Zeitraum seine Importe von Antimonkonzentraten aus diesen Ländern stark gesteigert. Im Jahr 2011 importierte China 77 % der weltweit gehandelten Mengen an Antimon-Konzentrat, dies entspricht ca. 60.000 t. Eine erneute Steigerung ist zu erwarten. Die Ausfuhr von Antimonkonzentraten wurde im Gegenzug vollständig eingestellt. Hierdurch soll nach chinesischen Angaben die Wertschöpfung im eigenen Land gefördert werden. Die weltweiten Reserven von Antimon belaufen sich aktuell auf ca. 1,6 Mio. t Antimoninhalt. (Carlin 2013, Geoscience Australia 2012, Village Main Reef Ltd. 2013, National Bureau of Statistics China 2012). Etwa 33,6 % der Reserven entfallen auf China. Weitere Reserven befinden sich z.B. in der Russichen Förderation (21 %), Bolivien (18,7 %), Australien (5,7 %) sowie Südafrika (1,7 %). Beim derzeitigen Verbrauch muss die Bergbauindustrie in den nächsten Jahren verstärkt auf Antimon explorieren, um mögliche Versorgungsengpässe zu vermeiden. Hier gilt es die weiteren Aktivitäten zu beobachten. Ein großer Teil der chinesischen Unternehmen sind staatlich kontrolliert, bzw. Tochtergesellschaften oder weisen Beteiligungen weiterer chinesischer Firmen auf. Da die Förderung von Antimon außerhalb Chinas zusätzlich auf nur wenige Einzelunternehmen beschränkt ist, ist die Firmenkonzentration der Bergwerksförderung von Antimon als potenziell kritisch zu bewerten. Zudem ist seit einigen Jahren festzustellen, dass sich chinesische Unternehmen zunehmend an Bergwerksunternehmen außerhalb Chinas beteiligen bzw. diese übernehmen, so z. B. in Kanada oder Australien. Die hohe Länder- und Firmenkonzentration und die Struktur des Marktes sind für Antimon daher insgesamt als kritisch zu bewerten. Zudem liegt das durchschnittliche gewichtete Länderrisiko der Förderländer von Antimon, basierend auf  den „Worldwide Governance Indicators“ der Weltbank 2011 (World Bank 2012), ebenfalls im eher kritischen Bereich. China ist nicht nur größter Bergbauproduzent und damit Förderer von Antimonerzen, sondern auch größter Produzent von Produkten der ersten Verarbeitungsstufe, Antimonrohmetall und Antimontrioxid. 2011 stammten ca. 88 % der weltweiten Metallexporte und ca. 53 % der Antimontrioxidexporte aus der Volksrepublik. Obwohl Länder wie Belgien, USA und Frankreich wichtige Antimontrioxidproduzenten sind, beziehen diese den überwiegenden Teil ihrer Metallimporte aus China. Somit ist auch die Länderkonzentration der ersten Verarbeitungsstufe als problematisch einzustufen. Das Handelsministerium in China bestimmt jährlich, welche Firmen für die Produktion von Antimonmetall und Antimontrioxid sowie den Export dieser Güter lizensiert werden (Roskill 2012). Für das Jahr 2013 wurden z. B. 13 Firmen zugelassen (MOFCOM 2013). Seit einigen Jahren werden von China Exportsteuern für Antimon und Antimonprodukte erhoben und die Mehrwertsteuerrückerstattung wird teilweise ausgesetzt. Die chinesische Staatsregierung setzt jährlich zudem Exportquoten für Rohmetall sowie Antimontrioxid fest. 2012 lagen diese bei 13.069 t Antimonmetall und 54.509 t Antimontrioxid (MOFCOM 2012, Roskill 2012). Aus weltweiten Importstatistiken wird ersichtlich, dass trotz dieser Exportquoten weitaus größere Mengen an Rohmetall auf den Markt gelangen, als offiziell angegeben (UN Comtrade 2013). Die chinesische Regierung ist daher bestrebt, druch Maßnahmen diese inoffziellen Handel zu unterbinden, da dieser unter anderem auch die weiterverarbeitenden chinesischen Unternehmen stark belastet. Falls dies in den nächsten Jahren gelingen sollte, wird mit geringeren Mengen von Antimon-Rohmetall auf dem Weltmarkt gerechnet. Nach Roskill (2012) können antimonhaltige, halogenierte Flammschutzhemmer durch alternative, umweltfreundlichere Substanzen ersetzt werden. Diese enthalten z. B. Aluminiumtrihydrat oder Magnesiumhydroxid als Komplexbildner. Um eine vergleichbare Flammschutzwirkung zu erzielen, müssen die derzeitigen prozentualen Anteile abhängig vom eingesetzten Substitut stark erhöht werden. Hierdurch wird z. B. die homogene Verteilung im Kunststoff erschwert, wodurch die Materialeigenschaften negativ beeinflusst bleiben vermutlich antimonhaltige, halogenierte Flammschutzhemmer kurz- bis mittelfristig die bevorzugten Stoffe für dieses Einsatzgebiet. Das Recycling von Antimon beschränkt sich hauptsächlich auf die Rückführung antimonhaltiger Bleilegierungen aus dem Recycling von Batterien. Das Recycling von Antimon aus den weitaus wichtigeren Kunststoffanwendungen ist momentan aufgrund der feinen Verteilung des Rohstoffs in den Endprodukten nicht möglich. Entsprechend gering ist die Recyclingrate (End of Life Recycling Rate = <5 % / UNEP 2011). Insgesamt ist Antimon aufgrund der Struktur des Marktes ein potenziell kritischer Rohstoff. Es ist daher notwendig, den Antimonmarkt und die Forschungsaktivitäten im Bereich Substitution und Recycling fortlaufend zu beobachten, um Veränderungen verfolgen und die verschiedenen Risiken abzuschätzen zu können.

Fazit

Eine Bewertung der Risiken für potenziell kritische Rohstoffe ist für viele Unternehmen von großer Bedeutung. Oftmals sind sich Unternehmen jedoch der Preisund Lieferrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette nicht bewusst. Eine Bewertung muss daher gezielt und individuell für jedes Unternehmen erfolgen. Die Risikobewertung kann dazu beitragen, die Versorgung mit Rohstoffen und damit die Produktion auch in Zeiten hoher Rohstoffpreise und hochvolatiler Rohstoffmärkte frühzeitig zu sichern. Hierfür stehen zahlreiche Instrumente der Absicherung zur Verfügung. Die Absicherungsstrategien sind den Risiken entsprechend anzupassen. So können Maßnahmen im Bereich des Einkaufs, im Bereich der betrieblichen Produktion über Effizienzmaßnahmen und Recycling sowie über Finanzierung und Beteiligungen an Bergbauprojekten erfolgen. Hierfür stehen beispielsweise auch die Instrumente der Auslandsgeschäftsabsicherung (Informationen über „agaportal. de“), das Explorationsförderprogramm (Informationen über „deutsche-rohstoffagentur. de“) und das Beratungsprogramm „go-inno“ (Informationen über „inno-beratung.de“) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zur Verfügung.

 

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