Erstmals lebende Algenzellen dreidimensional gedruckt

Fachforen AM Science und Fraunhofer-Allianz GENERATIV offerieren neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Additive Manufacturing

Medizinische Implantate bereits im Fertigungsprozess so zu beschichten, dass sie schneller einwachsen, oder Turbinenschaufeln so zu produzieren, dass sie noch höhere Temperaturen und dynamische Belastungen aushalten, sind Herausforderungen, die mittels Additive Manufacturing (AM) lösbar werden. „Ein Ansatz dafür lautet, gewünschte Produkteigenschaften bereits ins Material zu bringen und passende AM-Verfahren zu seiner Verarbeitung zu entwickeln. Das Ziel ist, bisherige Grenzen für die additive Fertigung immer weiter aufzubrechen, die Prozesse noch schneller und reproduzierbarer zu gestalten. Daran arbeiten Wissenschaft und Industrie gemeinsam auf Hochtouren. Aktuelle Forschungsergebnisse werden wir auch 2017 zum Fachforum AM Science in Erfurt präsentieren“, sagt Prof. Dr. Gerd Witt, Inhaber des Lehrstuhls für Fertigungstechnik an der Universität Duisburg-Essen und Mitbegründer der Erfurter Rapid.Tech, die 2017 vom 20. bis 22. Juni stattfindet. Der Fachbeiratsvorsitzende leitet das Fachforum AM Science am 21. und 22. Juni mit insgesamt 13 Vorträgen renommierter Wissenschaftler von Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fachforum AM Science

Ein rasant wachsendes Feld mit ausserordentlichem Potenzial bietet das 3D-Bioprinting. Hier ist es jüngst gelungen, lebende Algenzellen dreidimensional zu drucken, wie erstmals in einem Vortrag zur Rapid.Tech + Fab.Con 3.D berichtet wird. Darauf aufbauend können lebensfähige künstliche Gewebestrukturen erzeugt werden.

Ebenfalls breiten Raum nehmen aktuelle Ergebnisse und Erkenntnisse zur Qualifizierung und prozesssicheren Nutzung hybrider 3D-Werkstoffsysteme für das Laserstrahlschmelzen ein, beispielsweise Verbunde aus Kupfer und Stahl oder Kupfer-Legierungen wie CuCr1Zr. Vorgestellt wird u. a. die generative Fertigung von komplexen Hochleistungs-Kühlkörpern, die für ein effizientes Wärmemanagement bei Hochleistungselektronik oder Lasertechnik eine wesentliche Rolle spielen.

Weitere Referate widmen sich Werkstoff-Innovationen in der additiven Kunststoffverarbeitung. Bei Kunststoffen führt die Weiterentwicklung von Photopolymeren in Kombination mit verbesserter lithographiebasierter additiver Fertigung zu neuartigen Hochleistungswerkstoffen. Vorgestellt wird darüber hinaus die Verarbeitung neuer Materialien im Lasersinterprozess am Beispiel von Polyamid 6.
Der Einfluss der Belichtungsstrategie auf die oberflächennahe Porosität von Metall-Bauteilen, die Einstellung definierter Eigenschaftsprofile poröser mediendurchgängiger Strukturen und der Einfluss der Korngrößenverteilung auf Fließfähigkeit und Bauteilqualität beim Laserstrahlschmelzen von Metallen sind ebenfalls Vortragsthemen.

Neben der Qualifizierung von Werkstoffen braucht es durchgängig gestaltete Prozessketten, um die Potenziale von AM voll zu entfalten. Mit diesem Komplex befassen sich Vorträge zur Einhaltung von Maßtoleranzen beim Lasersintern, zur kontaminationsfreien Multimaterialfertigung im Laserstrahlschmelzen oder zur Integration leitfähiger Funktionen mittels Fused Layer Modeling.

Forum Fraunhofer-Allianz GENERATIV

Eine Forschungsorganisation, die sich dem Thema AM entlang der gesamten Prozesskette zuwendet, ist die Fraunhofer-Gesellschaft. In der Fraunhofer-Allianz Generative Fertigung sind 17 Institute deutschlandweit integriert, die an der Entwicklung und Umsetzung generativer Fertigungsverfahren und Prozesse sowie der entsprechenden Materialien arbeiten. Auf der Rapid.Tech präsentieren auch 2017 Mitglieder des Forschungs-Verbundes neueste Entwicklungen am 22. Juni im Forum Fraunhofer-Allianz GENERATIV.
„Wir sind mit unserem Forum bereits zum dritten Mal in Erfurt dabei und freuen uns auf den Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Entwicklern und Anwendern aus vielen Disziplinen von Wissenschaft und Industrie. Unsere Allianz konzentriert sich auf die Leitthemen Engineering, Werkstoffe, Technologien und Qualität und bietet Lösungen für zahlreiche Branchen an – von Automotive bis Zahnmedizin. In Erfurt stellen wir aktuelle Entwicklungen wie die  Multimaterialverarbeitung, die Herstellung von großen Bauteilen und neue roboterbasierte Fertigungsprinzipien vor. Weitere Verfahrens- und Anwendungsentwicklungen im Bereich der Metalle, Keramiken und Kunststoffe werden ebenfalls thematisiert“, berichtet Dr. Bernhard Müller, Sprecher der Fraunhofer-Allianz GENERATIV und verantwortlich für das Fachforum.

In den insgesamt sechs Vorträgen werden u. a. neue Materialien und Layouts für die digitale Fertigung von Einlagen für diabetische Patienten vorgestellt. Material Ink Design und additive Verarbeitungsmethoden zur Erschließung neuer Anwendungsfelder in der Biomedizin sind ebenfalls ein Thema. Außerdem auf der Agenda stehen die Herstellung funktioneller hybrider, Keramik basierter Komponenten durch die Kombination additiver und konventioneller Fertigungsverfahren, die metallische Multimaterialverarbeitung, die additive Herstellung großformatiger Bauteile mittels universeller Industrierobotik sowie Prozessvarianten für den binderbasierten 3D-Druck metallischer Werkstoffe.

Die Fachforen AM Science und Fraunhofer-Allianz GENERATIV sind Teil der Rapid.Tech + FabCon 3.D vom 20. bis 22. Juni 2017 in der Messe Erfurt. Zum Kongressprogramm gehören außerdem die Fachforen Additive Lohnfertigung, Medizintechnik, Konstruktion, Elektronik sowie Werkzeug-, Formen- und Vorrichtungsbau am 20. Juni, die Fachforen Automobilindustrie und 3D Metal Printing am 21. Juni sowie das Fachforum Luftfahrt am 22. Juni. Die Anwendertagung lädt jeweils am 21. und 22. Juni ein.

Darüber hinaus zeigen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Netzwerke an allen drei Tagen aktuelle AM-Beispiele auf der begleitenden Fachmesse. Während die Rapid.Tech auf industrielle Anwendungen fokussiert, dient die FabCon 3.D mit der 3D Printing Conference der internationalen 3D-Druck-Community mit kreativen Start-Ups, Szene-Größen und Hobbyisten als Treffpunkt. Bis April 2017 haben sich nahezu 200 Aussteller aus zehn Ländern angemeldet. Das Messeduo begrüßt dieses Jahr unter anderem Unternehmen aus Italien, Polen, Russland und den USA.

Weitere Informationen: www.fabcon-germany.com

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