Kriterien der Messestandgestaltung

Deutschland ist Messeland. An keinem Land der Welt gibt es eine auch nur annähernd so große Anzahl der verschiedensten Publikums- und Fachmessen. Auch was die Größe der Messeplätze, die Zahl der Aussteller und Besucher anbelangt, ist Deutschland Weltmeister. Selbst Wirtschaftsgiganten wie die Vereinigten Staaten oder China haben hier ein eher bescheidenes Angebot. Ja es sind in vielen Fällen deutsche Messegesellschaften, die im Ausland Ausstellungen und Messen – nach deutschem Vorbild – organisieren. Das hat zur Folge, dass sich ein Anbieter nicht damit begnügen kann, auf nur einer Messe auszustellen und dass er, sofern er seine Produkte und Dienstleistungen exportiert, auch ins Ausland gehen muss. Immerhin ist die Beteiligung an einschlägigen Messen die wirksamste aller Marketing- und Werbemaßnahmen – wenn auch die kostspieligste.

Wie das Auftreten auf einer Messe auszusehen hat, richtet sich danach, was man wem anzubieten hat, wie die Lokalität des Angebots beschaffen ist, welche Mittel uns Verfügung stehen und von darüber hinaus von einer Reihe anderer Kriterien. Voraussetzung ist, dass der Auftritt eines Unternehmens in der Öffentlichkeit, also auch auf Ausstellungen und Messen, unverwechselbar sein muss. Danach ist der Messeauftritt zu gestalten. Nun gibt es sehr viele Designer, die sie auf die Gestaltung solcher Messeauftritte und damit auch die Gestaltung der Messestände spezialisiert haben und es gibt Spezialunternehmen, die ausschließlich Messestände bauen. Eine weitere Alternative wäre, selbst das Umfeld zu gestalten, in dem man auf der Messe auftreten will. Der Ortsnahe Schreiner kann mit seiner technischen Erfahrung dabei hilfreich sein. Vieles ist dabei zu berücksichtigen.

Will man, aufbauend auf einem Grundkonzept, bei jeder Veranstaltung auf die Besonderheiten des Messeortes, des zu erwartenden Besuchertypus und der Eigenart der jeweiligen Messeorganisation, vor allem aber auf die jeweils landestypischen Besonderheiten der Menschen eingehen, die auf dem Messestand erwartet werden. Die Gepflogenheiten können sich ja von Land zu Land unterscheiden. Im Idealfall müsste man das Lokaltypische studieren, ehe man anfängt, einen Messestand im Stil des Hauses zu gestalten. Wichtig ist, welche Schwerpunkte man für den jeweiligen Messeauftritt legt: Soll die Präsentation des Produkts, der Dienstleistung im Vordergrund stehen, soll der Stand als solcher repräsentieren, will man mit einer persönlichen Atmosphäre und einer eindrucksvollen Organisation brillieren? Oder geht es um grundlegende Unterscheidungsmerkmale zu anderen Ausstellern? Soll der Auftritt sachlich, konservativ, qualitätsbetont, modern oder gar futuristisch sein. Will man Größe demonstrieren oder die Innovationskraft des Unternehmens augenfällig machen. Will man vor allem Vertrauen und Zuverlässigkeit vermitteln? Neben den reinen Gestaltungsfragen sind unzählige technische Probleme zu lösen – die sich sämtlich den entsprechenden Bedingungen der Messegesellschaft unterzuordnen haben. Was kann vorgefertigt werden? Wie lassen sich die Transportfragen und die Bedingungen des Aufbaus vor Ort am besten bewältigen? Der Messestand soll das Spiegelbild des Unternehmens sein. Er soll aber auch der Standbesatzung ein ideales Arbeitsumfeld bieten. Er soll die potentiellen Kunden anregen, mit dem Personal Kontakt aufzunehmen. Er soll die Neugier wecken oder das Bedürfnis, sich näher mit dem Angebot zu befassen.

Der Standbereich soll keine Grenze schaffen, sondern nahtlos Teil des Messekonzepts sein. Es ist sicher schwierig, auf alle Erfordernisse einzugehen, die den Messeerfolg beeinflussen oder gar ausmachen. Wichtig ist es, systematisch auf Erfahrungen aufzubauen. Aber nicht nur das – die Märkte ändern sich, die wirtschaftlichen Voraussetzungen entwickeln sich und auch das gesellschaftliche Bewusstsein unterliegt einem stetigen Wandel, der sorgsam verfolgt und auch berücksichtigt werden muss. So gesehen ist die Messestandgestaltung ein fortwährender Prozess des Anpassens an die aktuellen Gegebenheiten. Voraussetzung bei allem, dass der Stil, das Image des Unternehmens gewahrt bleibt und unverwechselbar ist. Nun gibt es bei manchen Veranstaltungen Bereiche, wo auf einheitlichen Stil der Ausstellungsstände wert gelegt wird, wo ein preisgünstiger Standardstand auch beim Aufbau eine günstige Lösung ist, wo man es aber schwer hat, die persönliche Note des Unternehmens einzubringen. Hier ist nicht nur Fantasie bei der Wahl der Innenausstattung gefragt, sondern vor allem die Art der Präsentation der Werbemittel und das Auftreten des Standpersonals sind erfolgsentscheidend. Letztlich sollte man sich überlegen, ob man wirklich auf allen Hochzeiten tanzen will oder ob es sinnvoller – und rentabler – ist, sich auf die erfolgreichsten Schwerpunkte zu verlegen und vielleicht darüber hinaus die Möglichkeit zu nutzen, sich an nationalen oder fachlich orientierten Gemeinschaftsständen zu beteiligen oder mit Firmen zu kooperieren, die in der Wertschöpfungskette des Produkts oder der Dienstleistung liegen.

Autor: Manfred Kittel

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