Neue Brücke im französischen Baccarat: Eloxiertes Aluminium macht Konstruktion besonders witterungs- und korrosionsbeständig

Um eine bessere Verbindung zwischen dem bekannten Kristallmuseum und dem Stadtzentrum zu schaffen, ließ die lothringische Kleinstadt Baccarat eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Fluss Meurthe bauen. Quelle: PML

Um eine bessere Verbindung zwischen dem bekannten Kristallmuseum und dem Stadtzentrum zu schaffen, ließ die lothringische Kleinstadt Baccarat eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Fluss Meurthe bauen.
Quelle: PML

Fachwerkträger ermöglichen optisch ansprechende, schräge Geländer

Um eine bessere Verbindung zwischen dem bekannten Kristallmuseum und dem Stadtzentrum zu schaffen, hat die lothringische Kleinstadt Baccarat eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Fluss Meurthe bauen lassen. Da die Brücke nicht nur optisch ansprechend, sondern auch wartungsarm sein und nur kleine Fundamente benötigen sollte, beauftragte die Stadt den Aluminiumbrückenbauer Peter Maier Leichtbau GmbH (PML): Dieser erstellte eine Fachwerktrogbrückenkonstruktion aus einer Aluminium-Legierung, die um die Hälfte weniger wiegt als eine vergleichbare Stahlbrücke. Durch eine Eloxierung der Bauteile wurde eine doppelt so hohe Materialhärte wie bei Stahl erzielt, gleichzeitig macht die Veredelungsform die Metalloberfläche deutlich witterungs- und korrosionsbeständiger als die sonst übliche Schutzschicht aus Lack.

„Die Stadt Baccarat wollte das Kristallmuseum auf der einen Seite des Flusses Meurthe mit dem Parkplatz auf der anderen Flussseite verbinden und den Besuchern damit den Umweg über die ungefähr 200 Meter entfernte Straßenbrücke ersparen“, erklärt Stefan Heth, Projektverantwortlicher bei PML. Durch die neue Brücke sollte zudem das Stadtzentrum für Besucher des Museums und der Kristallboutiquen leichter zugänglich werden. Gegenüber dem französischen TV-Magazin 19/20 fasste Bürgermeisterin Josette Renaux die Erwartungen der Stadt zusammen: „Dass die Leute etwas zahlreicher kommen und nicht nur kurz anhalten, die Kristallgeschäfte besichtigen und wieder abfahren. Wir hoffen einfach, dass ein paar mehr Touristen hier bleiben.“ Durch die Brücke verkürzt sich nun der Weg vom Musée du Cristal zu den weiteren Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum, wie dem Musée Les Sources d’Hercule, der Kirche und dem Rathaus.

Kleine Fundamente dank leichtem Aluminium

Als Material wurde die Aluminium-Legierung AlMgSi1 verwendet, die den Festigkeitswerten von Stahl S235JR entspricht, gleichzeitig aber um ein Drittel weniger wiegt. Dadurch wurden deutlich kleinere Fundamente benötigt, als bei einer schwereren Brücke aus Stahl oder Stahlbeton notwendig gewesen wären. Quelle: PML

Als Material wurde die Aluminium-Legierung AlMgSi1 verwendet, die den Festigkeitswerten von Stahl S235JR entspricht, gleichzeitig aber um ein Drittel weniger wiegt. Dadurch wurden deutlich kleinere Fundamente benötigt, als bei einer schwereren Brücke aus Stahl oder Stahlbeton notwendig gewesen wären.
Quelle: PML

Da den Verantwortlichen bei der Realisierung des Projektes eine leichte, wartungsarme Konstruktion besonders wichtig war, wandte sich die Stadt an die Aluminiumbrücken-Experten von PML: „Für die Brücke in Baccarat haben wir die Aluminium-Legierung AlMgSi1 verwendet, die den Festigkeitswerten von Stahl S235JR entspricht. Das spezifische Gewicht von Aluminium beträgt 2,7 g/cm³ und ist damit gegenüber Stahl mit 7,85 g/cm³ circa dreimal leichter“, so Heth. „Bei Aluminiumbrücken hat man als Mittelwert nur circa 50 Prozent des Gewichtes vergleichbarer Stahlbrücken. Dadurch konnten – wie vom Auftraggeber gefordert – die Fundamente deutlich kleiner dimensioniert werden, als das bei einer schwereren Brücke aus Stahl oder Stahlbeton notwendig gewesen wäre.“ Auf diese Weise ließen sich die Kosten des Projektes stark reduzieren. Ein weiterer Vorteil des Materials ist, dass die Brückenteile hauptsächlich verschraubt werden und auf Schweißverbindungen weitgehend verzichtet werden konnte. Da jede Schweißnaht eine Schwachstelle darstellt, kommt die Konstruktion bei tragenden Brückenteilen sogar ganz ohne diese aus.

Eine weitere Vorgabe der Stadt war eine optisch ansprechende Architektur. Insbesondere sollte die Brücke einen schönen Bogen und ein schräges Geländer erhalten. „Wir haben die Brücke daher als Fachwerktrogtypus mit schrägen Trägern umgesetzt. Die Geländer entlang der Lauffläche verlaufen vertikal und wurden mit einer Glasfüllung versehen“, erklärt der Projektverantwortliche. Insgesamt ist die neue Brücke 32 Meter lang, drei Meter breit und hat eine Nutzlast von 500 kg/m². Da sie zusätzlich mit einer geschlossenen, geräuscharmen Lauffläche ausgestattet sein sollte, wurden als Belag polyurethanbeschichtete Aluminiumplattformen eingesetzt, die der Rutschfestigkeitsklasse R12 entsprechen.

Eloxierung statt Lack macht Brücke witterungsbeständiger

Ein weiterer Vorteil des Materials ist, dass die Brückenteile verschraubt werden und somit auf Schweißverbindungen vorwiegend verzichtet werden konnte. Da jede Schweißnaht eine Schwachstelle darstellt, kommt die Konstruktion bei tragenden Brückenteilen sogar ganz ohne diese aus. Quelle: PML

Ein weiterer Vorteil des Materials ist, dass die Brückenteile verschraubt werden und somit auf Schweißverbindungen vorwiegend verzichtet werden konnte. Da jede Schweißnaht eine Schwachstelle darstellt, kommt die Konstruktion bei tragenden Brückenteilen sogar ganz ohne diese aus.
Quelle: PML

Besonders wartungsarm und nachhaltig ist die Brücke in Baccarat durch ihre Eloxierung. Das auch Anodisation oder Anodische Oxidation genannte Verfahren wandelt die Metalloberfläche unter Einwirkung von Gleichstrom in einem Elektrolyt-Bad in eine dichte und sehr harte Oxidschicht um, die fest mit dem Grundmaterial verbunden ist. Sie bietet Schutz gegen mechanische Einflüsse und ist witterungs- und korrosionsbeständig. Um den höchsten Anforderungen gerecht zu werden, wurden beim Projekt in Baccarat alle Profile bereits vor der Anodisation gesägt, gebohrt und nachbearbeitet, so dass ein Rundumschutz gewährleistet ist. Eloxiertes Aluminium ist etwa achtmal härter als Rohaluminium und zweimal härter als Stahl. Durch ein spezielles Verfahren wurde die Brücke zudem braun eingefärbt: Dabei wird der Farbstoff in die Schicht eingelagert und bleibt so vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt.

„Da die Schutzschicht ins Material eingeht und anschließend ein integraler Bestandteil der Konstruktion ist, ist das Verfahren die technisch sinnvollste Maßnahme, um einen nachhaltigen Oberflächenschutz zu gewährleisten“, erläutert Heth. Bei lackierten Oberflächen werden dagegen zusätzliche Schichten auf das Material aufgebracht, die irgendwann ausbleichen, verwittern und abblättern. Auch kommt es zu Spannungen und Ausdehnungen der Brückenkonstruktion, durch die der Lack reißen kann. Lackierte Oberflächen müssen daher irgendwann erneuert oder ausgebessert werden. Da die Gewährleistungsfrist für Ingenieurbauwerke gemäß VOB nur vier Jahre beträgt, muss der Bauherr in der Regel allein für die Kosten einer aufwendigen Sanierung aufkommen.

Insbesondere sollte die Brücke einen schönen Bogen und ein schräges Geländer erhalten. Die Konstruktion wurde daher als Fachwerktrogtypus mit schrägen Trägern umgesetzt. Quelle: PML

Insbesondere sollte die Brücke einen schönen Bogen und ein schräges Geländer erhalten. Die Konstruktion wurde daher als Fachwerktrogtypus mit schrägen Trägern umgesetzt.
Quelle: PML

Planung und Realisierung des Projektes nahmen insgesamt etwa zwei Jahre in Anspruch. Dabei erfolgte die komplette Fertigung des Aluminiumkorpus in nur zehn Wochen, das Einschwenken der Brücke am Standort dauerte circa fünf Stunden. „Von der Stadt Baccarat und der Bevölkerung haben wir seither eine sehr positive Rückmeldung erhalten“, so Heth.

 

Die Firma Peter Maier Leichtbau (PML) GmbH wurde 1984 im baden-württembergischen Singen gegründet. Das Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern entwickelt und produziert Lösungen aus Aluminium für die Logistikbranche und den Brückenbau: Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich PML mit der Konzeption und Fertigung von Aluminiumplattformen für hydraulische LKW-Ladebordwände, bei der eine von Firmengründer Peter Maier entwickelte, weltweit einzigartige Hybrid-Laser-Schweißtechnik zum Einsatz kommt. Der Produktionszweig macht 80 Prozent der Unternehmenstätigkeit aus. Mitte der 1990er Jahre erfand die Firma ein mittlerweile patentiertes Baukastensystem für Aluminiumbrücken, Türme, Stege und Treppen. PML ist nach ISO-Norm 9001:2008 zertifiziert, die Brücken erfüllen alle deutschen sowie viele internationale Baunormen. Das Unternehmen hat bereits Aufträge in Italien, Ungarn, England, Frankreich, der Schweiz, Australien und China durchgeführt.

„Da die Schutzschicht ins Material eingeht und anschließend ein integraler Bestandteil der Konstruktion ist, ist eine Eloxierung die technisch sinnvollste Maßnahme, um einen nachhaltigen Oberflächenschutz zu gewährleisten“, erläutert Stefan Heth, Projektverantwortlicher bei PML. Quelle: PML

Stefan Heth: „Da die Schutzschicht ins Material eingeht und anschließend ein integraler Bestandteil der Konstruktion ist, ist eine Eloxierung die technisch sinnvollste Maßnahme, um einen nachhaltigen Oberflächenschutz zu gewährleisten“, erläutert Stefan Heth, Projektverantwortlicher bei PML.
Quelle: PML

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.