Mit Volldampf Richtung Tube 2020:

Vor dem Schweißen müssen die beiden überlappend liegenden Rohrenden eines Stranges der Nord Stream 2-Pipeline durch das Verlegeschiff angehoben und zugeschnitten werden. Quelle © Nord Stream 2 / Axel Schmidt

Vor dem Schweißen müssen die beiden überlappend liegenden Rohrenden eines Stranges der Nord Stream 2-Pipeline durch das Verlegeschiff angehoben und zugeschnitten werden. Quelle © Nord Stream 2 / Axel Schmidt

Pipelineprojekte – mehr denn je gefragte Energiebündel

Sie verrichten ihren Dienst meist kaum sichtbar – und doch fällt reichlich Scheinwerferlicht auf sie: Pipelineprojekte, unterirdisch oder auf dem Meeresgrund verlegte Energiebündel, glänzen mit Dauerpräsenz in den medialen Schlagzeilen. Ein Trend, der sich eher verstärken wird. Neue Pipelines wie die TurkStream, Nord Stream 2, EastMed und das Baltic Pipe Project verzücken die Energieanbieter und -anwender sowie obendrein die Zulieferer. Der Rohrhunger ist groß – er muss zügig und in bester Qualität gestillt werden.

Auf der weltgrößten Fachmesse für Rohre und Rohrtechnologien, der Tube Düsseldorf vom 7. bis 11. Dezember 2020, wird die gesamte Bandbreite von Rohren und Rohrtechnologien präsentiert. Parallel findet die wire, Internationale Fachmesse Draht und Kabel, auf dem Düsseldorfer Messegelände statt.

In die zahlreichen bestehenden Pipelines eingereiht hat sich zum Jahresanfang die TurkStream, die – verlegt durch das Schwarze Meer – das russische und türkische Gastransportsystem verbindet. Ein Strang liefert Gas in die Türkei und weiteres Gas durch die Türkei nach Süd- und Südosteuropa. Zusammen besitzen die Stränge eine Leistung von 31,5 Milliarden Kubikmeter, was alleine schon eine Nachricht wert ist. Die Pipeline glänzt aber außerdem, weil erstmals in der Welt ein Rohr mit einem Durchmesser von über 810 mm 2.200 Meter tief verlegt wurde. Immer mehr Grenzen verschieben sich, weil auch die Rohrhersteller die Entwicklung ihrer Produkte mit Vehemenz vorantreiben.

Offene Bauweise

Als innovativ erweist sich ebenfalls die mit zwei Strängen geplante Nord Stream 2, die weitgehend parallel zur bereits fertiggestellten Nord Stream durch die Ostsee verlaufen wird und jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland transportieren soll, wo es weiter in die Europäische Union geleitet wird. „Der geradlinige landseitige Abschnitt wurde mit Hilfe einer innovativen, offenen Bauweise mit Grabenkästen errichtet“, berichtet die Nord Stream 2 AG. Diese Vorgehensweise erlaube die Minimierung der Baufläche, da die Rohrleitungen durch bereits vorgefertigte Baugruben gezogen und in der Mitte des landseitigen Abschnittes verbunden würden.

Die Rohranbieter müssen eine Mammutaufgabe schultern: Über 200.000 Rohrsegmente werden geliefert. Das Gesamtvolumen beträgt 2,2 Millionen Tonnen für eine 2.500 Kilometer lange Gesamtstrecke. Europipe – Gesellschafter sind der Salzgitter-Konzern und die AG vom Dillinger Hüttenwerk – fertigt hiervon 890.000 Tonnen für etwa 1.100 Kilometer.

Pipeline und Umwelt schützen

Und es ist noch mehr in der Pipeline: Im Januar unterzeichnete Gaz-System einen Vertrag mit Europipe über die Lieferung von Unterwasserrohren für den Offshore-Teil des Baltic Pipe Project. Die geplante Pipeline soll ab Oktober 2022 den Import von erhöhten Mengen von bis zu 10 Milliarden Kubikmeter Gas aus den Vorkommen auf dem norwegischen Festlandsockel nach Polen ermöglichen.

Europipe fertigt Rohre mit einem Nenndurchmesser von 900 mm, die in Abschnitten mit einer Nennlänge von 12,2 Meter hergestellt werden, erklären die Projektpartner Energinet und Gaz-System. Der Vertrag umfasst ebenfalls Rohre desselben Durchmessers für den kurzen landseitigen Abschnitt der Gasleitung bis zum Empfangsterminal. Er wird auch alle im Projekt enthaltenen Schutzbeschichtungen einschließen, „die sowohl die Pipeline schützen als auch ihre Auswirkungen auf die Umgebung und die Umwelt minimieren werden“.

Die Stahlwandstärke der Gasleitung wird zwischen 20,6 mm und 23,8 mm liegen. „Die Pipeline wird mit einer speziellen 4,2 mm dicken Korrosionsschutzbeschichtung überzogen, die sie während des Betriebs auf dem Meeresboden schützt“, betonen die Projektpartner. Die Ostsee-Pipeline werde auch durch eine 60 bis 110 mm dicke Betonschicht geschützt.

Gasumstellung stemmen

Offiziell begonnen haben die Bauarbeiten an der 216 Kilometer langen Ferngasleitung Zeelink im April 2019 – das Projekt beinhaltet auch den Neubau einer Gaspipeline von der belgisch-deutschen Grenze nach Legden bei Ahaus (NRW). Die Leitung soll bis 2030 die Umstellung von L- auf H-Gas, also von Erdgas mit einem niedrigeren Energiegehalt auf Erdgas mit einem höheren Energiegehalt, für Millionen Haushalts-, Gewerbe- und Industriekunden unter anderem in Nordrhein-Westfalen gewährleisten. Hintergrund: Der Anteil von L-Gas sinkt aufgrund zurückgehender Fördermengen in den Niederlanden. Die Projektgesellschaft ist ein Joint Venture von Open Grid Europe (75 Prozent) und Thyssengas (25 Prozent). Die Inbetriebnahme ist für März 2021 geplant.

Das Projekt beschert Mannesmann Großrohr einen Auftrag, der rund 215 Kilometer Gasleitungsrohre mit einem Durchmesser von 1.016 mm (DN 1000) umfasst. Die mit Polyethylen beschichteten Rohre sind etwa 18 Meter lang und bis zu 8 Tonnen schwer. Die rund 100.000 Tonnen Warmbreitband als Vormaterial für die spiralnahtgeschweißten Großrohre stammen von Salzgitter Flachstahl. Die 543 Rohrbögen der Leitung werden im konzerneigenen Rohrbiegewerk produziert, das hierzu längsnahtgeschweißte Großrohre aus Vormaterial von Salzgitter Mannesmann Grobblech verarbeitet.

Zügige Auftragsabwicklung

Und die Branche gibt weiter Gas: Die Planungen für die Eastern Mediterranean Pipeline (EastMed) nehmen Gestalt an. Griechenland, Zypern und Israel unterzeichneten im Januar ein Abkommen zum Bau der EastMed, die ab 2025 Erdgas aus dem Leviathan-Feld im Mittelmeer über Zypern und Kreta zum griechischen Festland und in Verbindung mit den Poseidon- und IGB-Pipelines das Erdgas weiter nach Italien und in andere europäische Regionen transportieren soll. Die EastMed-Pipeline wird laut Planung eine Länge von 1.900 Kilometern haben und eine jährliche Kapazität von 10 Milliarden Kubikmeter besitzen.

Auf Rohranbieter warten also zahlreiche Pipelineprojekte. Um eine zügige Auftragsabwicklung bei bestmöglicher Qualität zu bieten, sind Investitionen notwendig. Wie sie beispielsweise Butting tätigt. Bislang verfügt das Unternehmen über eine 12-m-Hydroformingpresse, in der ein korrosionsbeständiges Butting-Edelstahlrohr und ein Kohlenstoff-Mangan-Stahl-Rohr mechanisch zu einem BuBi® Rohr verbunden werden. Die Fertigung von durchschnittlich ca. 15 Kilometer BuBi® Rohr pro Monat von einer mittleren Rohrabmessung möchte das Unternehmen langfristig verdoppeln. Durch einen Hallenneubau und einhergehende Anpassungen der Prozesse sollen die Produktionsabläufe nochmals optimiert und die Produktivität gesteigert werden.

Zudem wurde gemeinsam mit einem Maschinenbau-Unternehmen eine neue 12-m-Hydroforming-Presse geplant und zur Fertigung in Auftrag gegeben. Produktionsbeginn der ersten BuBi® Rohre im neuen Produktionskreislauf soll im dritten Quartal 2020 sein.

Eine Win-Win-Situation

Investitionen, die sich auszahlen. Denn die steigende Zahl der Pipelines sichert nicht nur die Energieversorgung, sondern sorgt auch für hohe Einnahmen bei Energieanbietern und Rohrherstellern – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Stimmt die Qualität, muss hier kaum einer in die Röhre gucken…

Weitere Informationen: www.tube.de

 

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